Nach den Eisheiligen im Mai steht zwischen dem 4. und dem 20. Juni ein weiterer Kälteeinbruch vor der Tür – die Schafskälte – ein seit Jahrhunderten beobachtetes Wettergeschehen.
Ursache ist die unterschiedlich schnelle Erwärmung von Land und Meer. Während das Land im Juni bereits stark erwärmt ist, ist das Meer noch relativ kalt. Über Europa entsteht ein Tiefdruckgebiet das kalte Luft polaren Ursprungs anzieht. Dadurch kommt es zu einem Kälteeinbruch, bei dem innerhalb weniger Stunden die Temperatur um 5-10° absinkt. Das Ereignis wird seit Jahrhunderten beobachtet und findet seine Dokumentation in zahlreichen Bauernregeln. Diese alten Weisheiten haben zwar nicht den Hintergrund moderner Wettermodelle, liefern aber eine zuverlässige Einschätzung der Wetterlage. Das war für Bauern besonders wichtig, um geeignete Vorkehrungen für den Feldanbau und die Tiere zu treffen.
Die Anfang Juni gelegene Schafschur war für die Tiere ein Risiko, da sie danach der Witterung ungeschützt ausgesetzt waren. Daher auch der Name Schafskälte. Mittlerweile werden die Schafe erst Ende Juni geschoren.
Durch den Klimawandel bedingte steigende Temperaturen verändert sich auch die Häufigkeit traditioneller Wetterereignisse. Eine Prognose besagt, dass die Schafskälte in Zukunft wohl unregelmäßiger auftritt, aber weiterhin bestehen bleibt. Für 2025 gab es zum Beispiel keine Kälteeinbrüche in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Charakteristisch für dieses Wetterphänomen sind die abrupt sinkenden Temperaturen, wechselhaftes Wetter und starke anhaltende Regenfälle.
Es besteht die Gefahr von Nachtfrost und in Hochlagen ist sogar Neuschnee möglich.
Wissenschaftliche Erkenntnisse ergaben, dass die Schafskälte in 7 von 10 Jahren auftrat. Somit gehört sie zu den beständigen Wetterereignissen.
